GDL im Streik – Kampf an mehreren Fronten

GDL – Bashing gehört dieser Tage zum guten Ton. Nicht nur den Streikenden der GDL fällt es schwer ihre Interessen im Arbeitskampf gegenüber ihren unorganisierten KollegInnen zu legitimieren. Neben Politiker_innen, die sich in den Konflikt zwischen der Deutschen Bahn AG (DB) und der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) aktiv einmischen, spricht das Schweigen der großen Gewerkschaften und das Ausbleiben von Solidaritätsbekundungen für sich. Sie bezogen sich bereits Ende letzten Jahres in einer gemeinsamen Stellungnahme positiv auf das geplante Tarifeinheitsgesetz, auf  dessen Durchsetzung die DB im Tarifverkonflikt mit der GDL zu hoffen scheint. Am 22. Mai 2015 wird über das Gesetz im Bundestag abgestimmt. Das Durchwinken dieses Gesetzes würde gegen das grundsätzliche Streikrecht, welches aus dem Grundrecht auf Koalitionsfreiheit hervorgeht, verstoßen und die legitime Interessensvertretung kleiner Gewerkschaften stark einschränken. Neben dem DGB, ist sich auch die Presselandschaft landauf, landab einig, direkt oder indirekt Position gegen den Streik und für das Tarifeinheitsgesetz zu beziehen. Die Berichte über den Ärger der Fahrgäste sind nachvollziehbar, weil nah am Publikum, nur fehlen den Berichten meist Informationen, die auch Licht auf die andere Seite des Streiks werfen könnten. Außer Spekulationen über das angebliche Machtstreben des GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky sind Meldungen, die den Gründen des erneuten Streiks nachgehen oder welche schlicht die Forderungen der streikenden Lokomotivführer wiedergeben, keine Schlagzeile wert. Ein kurzer Blick auf den Internetauftritt der GDL könnte schon Abhilfe schaffen, um die eingängigen Slogans der Streikgegner zumindest in Frage zu stellen. So ist dort beispielsweise von einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 38 Stunden zu lesen. Das ist alles andere als revolutionär – genießen die Beschäftigten der einflussreichen IG Metall doch seit langem die tarifllich vereinbarte 35-Stunden-Woche. 

Verdanken die organisierten Beschäftigten in Metall- und Elektroindustrie ihren Einfluss dem von ihnen erwirtschafteten Anteil am jährlichen Exportüberschuss, haben weniger einflussreiche Organisationen das Nachsehen, was sich eben auch an den wöchentlichen Arbeitszeiten ablesen lässt. Hinzu kommt, dass es Politikern und Arbeitgebern gelungen ist, Arbeitnehmer_innen einzutrichtern an eine Gefährdung ihrer Arbeitsplätze zu glauben, sobald sie auf die Idee kommen für mehr Lohn und bessere Arbeitszeiten unterhalb der 39-Stunden-Woche zu kämpfen.

Gerade weil die starre Haltung der DB angesichts der zu verhandelnden Minimalforderungen von beispielsweise weniger Überstunden, einer leicht verkürzten Arbeitszeit und einer Lohnsteigerung von 5% so absurd ist, sollte diesem Streik mit Solidarïtät begegnet werden – (siehe hierzu die Solidaritätserklärung des „Instituts für solidarische Moderne“). Die laufende Auseinandersetzung verdeutlicht den andauernden Konflikt zwischen Kapital und Arbeit – den manche scheinbar gerne verdrängen. Legitim ist dieser Streik also allemal, weil er einerseits nützt das längst angezählte Streikrecht von Arbeitnehmer_innen symbolisch zu verteidigen und andererseits bewusst macht, dass es trotz und hingegen allen Geschwätzes richtig und notwendig ist, für seine Rechte zu kämpfen.

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